TV Helmstadt bietet Thai Bo an – Fitness-Training mit Kampfsport–Elementen

Fitness-Gymnastik, Kampfsport-Elemente, Musik-Choreografie, Ausdauersport und Partnerübungen – all diese Attribute auf eine Sportart vereinigen war bisher recht schwer. Allenfalls im Taekwondo, jener weltweit praktizierten koreanischen Kampfsportart, findet man einiges davon. Seit aber das so genannte Thai Bo zusehends mehr Liebhaber findet, wissen zumindest Eingeweihte damit etwas anzufangen.

Beim TV Helmstadt wird seit Kurzem diese Sportart angeboten. Jeden Donnerstag von 19 bis 20 Uhr treffen sich zwischen 15 und 20 sportbegeisterte Mädchen und Frauen. Als „Quotenmann“ wagt sich ab und zu auch der neue Vorsitzende Thomas Schraudt in die Thai Bo, Mainpost 12.11.2008Szenerie. Und die nimmt sich trotz des enormen Kampfsportanteils keineswegs aggressiv aus.

„Das soll sie ja auch nicht“, erklärt Trainerin Karolin Rappelt. Die 19-Jährige Latein- und Französisch-Studentin legt ohnehin großen Wert auf die „takt“-volle musikalische Begleitung. Das sei mindestens eben so wichtig wie das sportliche Element.

Vor drei Jahren hatte der TV mit Cornelia Hock bereits einmal einen Anfang gewagt. Aus beruflichen Gründen konnte sie das Training aber nicht mehr fortsetzen. Jetzt hat sich Karolin Rappelt dazu bereit erklärt. Die junge Frau ist Übungsleiter für Turnen, hat Fitness-Seminare besucht und erwirbt derzeit ihren Aerobic-Trainerschein in der Sportschule Unterhaching.

Beim Taekwondo werden Körper und Geist trainiert. Man unterscheidet Fuß- und Hand-Techniken und die sinnbildliche Bedeutung der geistigen Entwicklung, die besonders im Buddhismus Bedeutung hat. Thai Bo setzt sich aus den Worten Tae(kwondo) und Bo(xen) zusammen. Im Buch „Der neue Power-Trend“ (ISBN 3-405-16221-1) heißt es: „Thai Bo ist energiegeladen, explosiv, kraftvoll und beflügelnd. Man wird konditionell stärker, verliert viele Fettanteile, gewinnt an Kraft und das Selbstvertrauen wird gestärkt.“

Karolin Rappelt aber warnt davor: Keinesfalls darf man Thai Bo aber mit einer Art Selbstverteidigung verwechseln. Und es schützt auch nicht vor nächtlichen Angriffen von Strolchen. Gefördert werden dadurch aber Kondition, körperliche Koordination, die Beweglichkeit, Ausdauer und Gelenkigkeit sowie die Reaktion.

Keine Berührung des Partners

Die Grundlagen der Faust- und Schlagtechniken sind vom Boxen her bekannt: Punch, Deckung mit den Armen, Frontal- beziehungsweise Kampfstellung, Abtauchen oder Blockaden zum Schutz des Kopfes und anderer Körperteile. Die Beinarbeit besteht hauptsächlich aus folgenden Kick-Techniken: Front-Kick, Knie-Kick, Back-Kick oder Side-Kick. Man kennt sie vom thailändischen Kickboxen. Eine Partnerberührung findet grundsätzlich nicht statt. „Man kann aber vorher so genannte Partnerübungen 'sanft' einstudieren und sich dann beispielsweise alleine an einer Matte austoben“, erklärt Karolin Rappelt.

Beim Thai Bo werden alle Muskeln angesprochen. Besonders die so genannten Problemzonen Bauch, Rücken, Gesäß und Schulterpartien profitieren davon. Eine aktive Rolle spielen dabei besonders die Hände und Arme sowie die Beine. Die verschiedenen Übungsabläufe sind leicht zu erlernen, verleihen viel Energie nd regen das Herz-Kreislauf-System an.

Aber auch der Geist wird trainiert. So folgt dem Aufwärmen ein mentaler Thai-Bo-Workshop, die geistige Vorbereitung; sie dauert immerhin drei bis fünf Minuten. Den Abschluss bildet ein mentaler Ausklang.

Seit Beginn des Trainings ist die Zahl der Teilnehmerinnen stets gewachsen. Beim letzten Mal am vergangenen Donnerstag reihten sich zwei Mädchen mit gerade mal 14 Jahren an. Die derzeit ältesten Frauen sind an die 40, meint die Trainerin. Es könnten aber auch Ältere kommen.

„Jeder, der sich fit fühlt und entsprechend seines Alters sich nicht selbst überschätzt, kann mitmachen.“ Na, vielleicht haben jetzt auch einige Männer beim erwiesenermaßen eindeutigen Frauenüberschuss Lust bekommen...

Daten und Fakten

Der TV Helmstadt bietet jetzt montags ab 19 Uhr eine weitere Sportart an: Fitness-Lauftraining für alle durch Helmstadts Fluren. Treffpunkt ist an der Turnhalle. Es dient als Vorbereitung auf einen Montain-Bike-Kurs, der im Frühjahr beginnt. Leiten wird ihn Birgit Schnapp, die seit geraumer Zeit in Helmstadt lebt. Sie war bis vor kurzem aktive Bundesliga-Radfahrerin in Berlin und ist Sportlehrerin.

Birgit Schnapp


Quelle: Mainpost, 12.11.2008, Joachim Schwamberger